Wat kommt

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Nichts ist gemütlicher als ein Spaziergang im Fackelschein

31.10.2014

Ich freue mich schon auf den Fackelumzug der Feuerwehr am 31. Oktober. Das sieht immer so schön aus, wenn die vielen kleinen Flammen in der Dunkelheit tanzen. Dabei ist Feuer kein Spielzeug! Da kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Nicht auszudenken, was alles passieren könnte, wenn jemandem die Fackel aus der Hand rutscht, in einer Benzinspur auf der Straße landet, sich eine Flamme von hier aus in einen Stapel Altpapier vorarbeitet, auf das Dach des benachbarten Hauses übergreift und aufgrund eines starken Windes schließlich das ganze Dorf in einer infernalen Feuersbrunst für alle Zeiten aus der Landkarte tilgt…

Darum treffe ich Vorbereitungen. An allen Pfählen, die Straßenlaternen, Stromleitungen, Verkehrsschilder oder sonst irgendetwas in die Höhe halten, befestige ich Erste-Hilfe-Sets und kleine Feuerlöscher, die ich mit Aufklebern beliebter Figuren wie Hello Kitty, Bob der Baumeister, Lillyfee, Cars und den Disney-Prinzessinnen beklebe, um schon die jüngsten Schlalacher an diese wichtigen Utensilien heranzuführen.

Ich gehe durch alle Scheunen, Garagen, Werkstätten und Keller, inventarisiere zunächst die ortsbeweglichen Druckgasbehälter (Gasflaschen), brennbaren Flüssigkeiten und sonstigen brennbaren Stoffe und erstelle einen Zeitplan, bis wann welcher Haushalt seine Bestände aus dem gefährdeten Bereich zu entfernen hat, und ab wann der ganze Krempel aus den Sammelstellen in den umliegenden Landkreisen wieder abgeholt werden kann.

Ich markiere ortsfeste Feuerlöschanlagen mit gelber Sprühfarbe und bringe überall im Dorf beleuchtete Hinweisschilder an. Ich markiere die Bedienelemente für die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen in allen Gebäuden mit roter Sprühfarbe und verteile ein paar Tage vorher einen Flyer mit Bedienhinweisen auf Deutsch, Russisch, Englisch und mit Bildern.

Ich melde den Einsatzleiter der Feuerwehr zur Stimmbildung an, damit er sich in einer Notsituation auch so viel Gehör verschaffen kann, dass seinen Anweisungen unbedingt Folge geleistet wird. Die Laufwege zu den Sammelstellen markiere ich mit blauer Sprühfarbe. Eine Woche vorher sammle ich sämtliche Schlüssel der Bewohner ein, lasse Kopien davon anfertigen und bringe diese jeweils mit einem kleinen Haken neben dem fraglichen Schloss an, um Flucht- und Rettungswege im Alarmfall sofort freigeben zu können. Die Diebstahl-Versicherung bestand in diesem Zusammenhang darauf, neben jedem dieser Nachschlüssel einen Wachmann zu postieren. Für diese Position habe ich eine Garde Offiziersanwärter bestellt – die nicht nur einen leckeren Anblick bieten sondern im Notfall auch auf jeder Schulter einen Kranken oder Alten aus dem Haus tragen könnten. Zu deren Versorgung habe ich das Technische Hilfswerk für einen 48-stündigen Einsatz einbestellt. Ich lasse für den gesamten Tag die Straßen zu allen umliegenden Dörfern sperren, um den Zugang zum Brandherd aus allen Richtungen freizuhalten.

Ich bestelle einen Notar, der die Bergung wichtiger Sachwerte, Fertigungs-, Forschungs- und Planungsunterlagen der Dorfbewohner begleitet, um die daten- und brandsichere Verwahrung zu gewährleisten, die Rückgabe an die Eigentümer zu bewerkstelligen und im Bedarfsfall die Nachlassverwaltung unverzüglich in Angriff zu nehmen – was natürlich die Auseinandersetzung mit der Feuerversicherung beinhaltet. Ich schreibe mein Testament und erstelle eine Reihe von Vollmachten, die ich einscanne und bei Anwälten in verschiedenen Bundesländern (sicher ist sicher) hinterlege.

Durch einen international gesuchten Hacker lasse ich auf alle Schlalacher Facebook-Accounts schematische Zeichnungen von Feuerlöschern schicken, aus denen eindeutig hervorgeht, welches Löschmittel für welchen Brand zu verwenden ist. Über whatsapp verschickt er dazu stündlich Fragen zur Lernerfolgskontrolle – natürlich auch nachts, denn dieses Wissen muss sofort abrufbar sein, sogar wenn man aus dem Schlaf gerissen wird. Ich lasse Schlalach nicht nur bei Google-Maps sondern gleich bei allen gängigen Apps und Karten als Punkt von besonderem Interesse markieren, damit wir auch gefunden werden und die Löschflugzeuge ihre Ladung nicht versehentlich über der Straße der Einheit in 14822 Brück abwerfen.

Ich speichere mir die Handynummern von Bruce Willis, Chuck Norris und McGyver ein und bringe sie für ein paar Tage im Linther Hof unter – sozusagen als Notfall-Einsatz-Truppe. Für den Fall, dass das Handynetz überlastet wird, verteile ich unter den Einwohnern Funkgeräte und Taschenlampen, die auf Knopfdruck ein Notsignal im Morse-Alphabet immerhin bis zum nächsten Dorf schicken könnten.

Für die persönliche Schutzausrüstung sorge ich natürlich auch: Ich lasse Warnwesten mit der Aufschrift „Ruhe bewahren, Panik vermeiden“ bedrucken und verteile sie an alle Teilnehmer. Die können dann alle über der feuerfesten Kleidung tragen, die ich vom Filmpark Babelsberg ausgeliehen habe. Bei Fielmann habe ich Schutzbrillen mit Brandschutzverglasung bestellt. Wenn man solche Sachen mit Werbung bedrucken lässt, ist die Beschaffung gar nicht mal teuer!

Um alles rechtzeitig fertig zu bekommen, habe ich drei Wochen unbezahlten Urlaub genommen – Sicherheit hat eben ihren Preis. Mein Freund findet, dass das zunehmend in Stress ausartet, wenn ich an gesellschaftlichen Ereignissen teilnehme. Ich weiß gar nicht, was er damit meint; es gibt doch nichts Gemütlicheres als einen gemeinsamen Spaziergang im Fackelschein…

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